Gefühle im Job: Was tun, wenn´s im Mitarbeitergespräch emotional wird

Mitarbeitergespräche führen - Gefühle im Job

In meinem letzten Seminar hatte ich eine Gruppe von Nachwuchsführungskräften, der eine Frage besonders wichtig war: „Wie führen wir Gespräche, wenn die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter emotional reagiert? Wie gehen wir richtig damit um?“. Diese Frage interessiert und berührt viele Führungskräfte.

Mit meinen Tipps unterstütze ich Sie, Ihrer Rolle als Führungskraft gerade in dieser wichtigen Situation gerecht werden.

Lesedauer ca. 5 Minuten

Emotionale Situationen werden Ihnen in Ihrem Führungsalltag immer wieder begegnen. Ob Sie mit einem Mitarbeitenden wegen seiner Leistung sprechen, eine immer wieder unpünktliche Mitarbeiterin ermahnen, oder den Ordnungssinn Ihres Assistenten beanstanden müssen.

Nicht jeder Betroffene kann gut und professionell mit einer solchen Rückmeldung umgehen.

Von trotzig bis aggressiv

Manche Mitarbeitenden reagieren trotzig oder ärgerlich. Möglicherweise führen Sie dann nur noch einen Monolog, weil Ihr Mitarbeitender „dicht“ macht, nichts mehr hört und sagt.

Vielleicht wird Ihr Gesprächspartner auch aggressiv, regt sich auf. Oder er erklärt Ihnen, „nichts dafür zu können“, und benennt diverse andere „Schuldige“. Oder er erzählt Ihnen ausführlich, warum etwas nicht geht, und versucht so, die Verantwortung von sich wegzuschieben.

Viele Führungskräfte glauben, es sei professionell, Gefühle im Berufsleben zu ignorieren. Sie fühlen sich mit Emotionen generell unbehaglich – egal ob sie eher positiv oder eher negativ sind. (Wenn ich in diesem Zusammenhang von „negativen“ Emotionen spreche meine ich die, mit denen ein Umgang für Außenstehende oft schwierig ist. Per se gibt es so etwas wie „negative“ Emotionen nicht – sie sind, was sie sind).

Am wichtigsten ist es, ein Verständnis für emotionale Reaktionen des Gegenüber zu entwickeln, um selber ruhig zu bleiben und angemessen mit der Situation umgehen zu können.

Wir sind Menschen und natürlich spielen Gefühle eine große Rolle. Auch im Job – wir geben sie ja nicht am Werkstor ab. Für den betreffenden Mitarbeitenden geht es in einem Rückmeldegespräch unter Umständen auch um bedrohliche und Angst auslösende Themen. Klar, dass sie oder er schneller zu emotionalen Reaktionen neigt.

Wie schaffen Sie es, ein Feedbackgespräch zu führen mit jemandem der schnell weint, aufbrausend ist oder aus Verletzung abblockt und sich rechtfertigt?

Wenn Sie bedenken, wie viel Zeit wir am Arbeitsplatz verbringen, ist es nicht verwunderlich, dass Ihre Mitarbeitenden auch mal emotional reagieren.

Es gibt viele Gründe dafür. Das KANN berufliche Ursachen haben (z.B. ein misslungenes Projekt, eine schlechte Beurteilung, neidische Kollegen), KANN aber genauso gut persönliche Ursachen haben (z.B. eine Scheidung, eine Krankheit, Schwierigkeiten mit den Kindern), die in die aktuelle Situation hineinspielen aber gar nichts damit zu tun haben.

Sind Ihnen selbst emotionale Äußerungen nicht ganz geheuer, bereiten Ihnen sicher manche Gespräche Kopfschmerzen.

Gerade wenn Sie Mitarbeitende im Team haben, die regelmäßig empfindlich reagieren. Vielleicht sind Sie mittlerweile schon im Vorfeld eines Gesprächs beunruhigt, weil Sie wissen, dass es schwierig werden könnte. Und Möglicherweise vermeiden Sie das Gespräch und den Kontakt überhaupt.

Das wäre nicht gut. Denn die Gefahr besteht, dass Sie damit in eine gefährliche Konfliktspirale geraten. Indem Sie schwierige aber notwendige Rückmeldungen vermeiden und sich dann weiterhin über das Verhalten ärgern und Ihren Groll in sich hineinfressen, verschlechtern Sie auf Dauer die Arbeitsbeziehung zu Ihren Mitarbeitenden.

Was können Sie im Umgang mit negativen Emotionen tun?

Wenn Sie sich ein Mitarbeitergespräch schwierig entwickelt, ist Ihre erste Aufgabe empathisch zu sein und im besten Fall herauszubekommen, worum es ihrem Gesprächspartner genau geht und ob Sie als Führungsraft auf die Arbeit bezogen etwas ändern können.

Gleichzeitig gilt es, professionell zu bleiben und innerlich und äußerlich nicht „wegzurutschen“. Auch wenn Sie zunächst einmal Ihr eigenes Anliegen ruhen lassen, behalten Sie es auf jeden Fall im Auge. Verwässern Sie Ihre berechtigten Erwartungen an den Mitarbeitenden nicht aus Respekt vor einer emotionalen Reaktion. Sie wollen ja gemeinsam zu Vereinbarungen über die nächsten Schritte und Aktionen kommen.

Hier sind 4 Tipps von mir, wie Sie Mitarbeitergespräche führen, wenn es emotional wird

1. Seien Sie gut vorbereitet

Improvisieren Sie nicht. Sie fühlen sich im Gespräch sicherer, wenn Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben und Ihre Rückmeldung mit Beobachtungen, Daten und konkreten Beispielen stützen.

Das ist keine Gewähr für einen positiven Gesprächsverlauf, aber eine gute Vorbereitung hilft Ihnen, ruhig und konstruktiv zu bleiben, wenn es im Gespräch heiß wird.

2. Verbessern Sie Ihre Selbstwahrnehmung.

Achten Sie auf Ihre eigenen Gefühle und Reaktionen, wenn jemand negativ emotional reagiert. Weichen Sie Ihre Worte auf, um Konflikte zu vermeiden oder um Ihr Gegenüber nicht noch mehr zu belasten? Oder reagieren Sie frustriert und schlagen zurück? Werden Sie sich darüber klar und Sie sind vor Ihrer spontanen „Gegenreaktion“ gefeit. So schaffen Sie es, Ihre Botschaft gelassen und klar zu platzieren.

3. Steuern Sie das Gespräch in eine positive Richtung.

Machen Sie Ihrer Mitarbeiterin oder Ihrem Mitarbeiter (und sich selbst) die Gründe klar, warum Sie das Gespräch überhaupt führen. Sicher nicht, um zu demütigen, sondern, im Gegenteil, weil Sie etwas Gutes bewirken möchten. Sie möchten darüber reden, wie sich Ihr Gegenüber verbessern könnte. Weil Sie die Zusammenarbeit schätzen. Gerade deswegen ist Ihre Rückmeldung als Führungskraft und die Ableitung von konkreten Veränderungsmaßnahmen notwendig.

Die meisten Mitarbeitenden wollen ja auch einen guten Job machen und an sich arbeiten (genau deswegen trifft eine eher kritische Rückmeldung besonders stark).

4. Finden Sie heraus, was los ist.

In erster Linie geht es darum, ins Gespräch zu kommen, was auf Seiten des Mitarbeiters los ist.

  • Was genau ist es, das sie oder ihn aufregt, verletzt oder traurig macht.
  • Ist es beruflich begründet?
  • Welche Erwartungen hat Ihr Mitarbeitender an Sie als Führungskraft?
  • Wie können Sie konkret unterstützen?

Fragen Sie konkret nach und halten Sie Pausen aus.

5. Wenn gar nichts anderes geht – vertagen Sie das Gespräch

Reagiert Ihr Gegenüber sehr emotional, ist ein sachliches Mitdenken nicht mehr möglich. Vertagen Sie das Gespräch in diesem Fall sensibel und setzen es zu einem späteren Zeitpunkt fort. Setzen Sie gleich einen neuen Termin fest, damit das Gespräch nicht abrupt endet und Ihr Gesprächspartner das Gefühl bekommt, etwas falsch gemacht zu haben.

Sagen Sie etwas wie “Ich sehe, dass Sie ganz (aufgelöst, aufgebracht, überrascht) sind. Ich verstehe, dass es schwierig für Sie ist. Ich weiß dass Sie erfolgreich sein und gute Arbeit leisten wollen. Dabei will ich Sie unterstützen. Denken Sie über alles in Ruhe noch mal nach. Lassen wir uns morgen noch einmal zusammensetzen, wenn Sie Zeit hatten, alles zu verarbeiten.“

Mitarbeitergespräche führen Sie also besser am Tagesende, so dass Ihr Mitarbeiter anschließend nach Hause gehen kann.

Fazit

Emotionale Reaktionen im Mitarbeitergespräch erfordern ein sensibles Vorgehen von Ihnen.

Indem Sie sich auf die guten Absichten des Gesprächs konzentrieren, sich so gut wie möglich vorbereiten, gelassen und gefasst reagieren, sitzen Sie wieder in einem Boot und können Ihre Mitarbeiter in ihrer Entwicklung unterstützen.

Mich interessiert sehr Ihre Meinung zum Thema und Ihre Erfahrung damit: Können Sie Ähnliches berichten oder haben Sie eigene Tipps im Umgang mit dem Thema?

Ich freue mich auf Ihren Kommentar per E-Mail.

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