Weihnachtsfeier als Führungskraft – Chance oder Minenfeld?

Rentierpullis. Glühwein. Und du mittendrin – plötzlich Führungskraft.

Willkommen bei deiner ersten Weihnachtsfeier als Führungskraft.

Du willst nicht als Chef-Rentier rüberkommen, aber auch nicht wie der Grinch in der Ecke stehen.

Du willst locker wirken – aber bitte ohne peinliche Tanzeinlage nach dem dritten Sekt.

Klingt kompliziert?

Muss es nicht sein.

In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du entspannt durch deine erste Weihnachtsfeier als Führungskraft kommst, echte Verbindung aufbaust – und trotzdem nicht dein Führungs-Konto überziehst.

Spoiler: Es geht auch ohne Karaoke.

Lesezeit: 8 Minuten

Zwischen Rentierpulli und Rückmeldung

Stell dir vor:

Dein erster Dezember als neue Führungskraft.

Die Einladungen zur Weihnachtsfeier sind raus.

Der Raum ist geschmückt.

Die ersten Kolleg:innen trudeln ein – einer trägt einen Rentierpulli mit blinkender Nase, die anderen machen schon Selfies am Glühweinstand.

Und du?

Stehst dazwischen – mit der Frage im Kopf:

„Was genau ist hier eigentlich meine Rolle?“

Bist du Gast? Gastgeber:in? Kolleg:in oder Kontrollinstanz?

Darfst du tanzen? Oder bleibst du lieber beim Smalltalk am Buffet?

Machst du mit, um dazuzugehören – oder hältst du Distanz, um deine Führungsrolle nicht zu verlieren?

Vielleicht hast du diese Gedanken auch schon gehabt:

„Wenn ich jetzt zu locker bin, nimmt mich keiner mehr ernst.“
„Wenn ich zu distanziert bleibe, wirke ich arrogant.“
„Und wenn ich einfach nur da bin, merkt vielleicht keiner, dass ich überhaupt was führe.“

Willkommen bei deiner ersten Weihnachtsfeier als Führungskraft.

Zwischen Rentierpulli und Rückmeldung liegt oft nur ein Glas Sekt.

Und genau deswegen ist diese Folge für dich.

Denn so eine Feier ist viel mehr als nur ein netter Jahresausklang.

Sie ist Bühne, Beziehungsmoment – und manchmal auch ein Testfeld.

Wie du diesen Abend souverän nutzt, statt ihn zu fürchten – darüber will ich jetzt mit dir sprechen.

Und keine Sorge:

Du musst nicht steif in der Ecke stehen oder dir einen Führungsmonolog zurechtlegen.

Aber es hilft, ein paar Dinge bewusst im Kopf zu haben – damit du diesen Abend nicht nur überstehst, sondern wirklich nutzen kannst.

Weihnachtsfeier als Führungskraft - offen und natürlich bleiben

Was das genau heißt, verrate ich dir gleich – doch vorher … schauen wir mal gemeinsam drauf, warum diese Feier überhaupt so besonders ist.

Was macht die Weihnachtsfeier als Führungskraft so besonders?

Vielleicht denkst du jetzt:

„Ach komm, das ist doch nur ein bisschen Glühwein und Musik – wieso soll ich da als Führungskraft besonders drauf achten?“

Ganz einfach:

Weil deine Rolle sich verändert hat – und du das hier besonders spürst.

Was früher ein netter Abend mit Kolleg:innen war, ist jetzt ein Abend unter Beobachtung.

Nicht weil alle dich kritisch beäugen – sondern weil sie neugierig sind:

Wie ist sie oder er jetzt „in Führung“?

So ein Abend macht sichtbar, wie du dich in deiner neuen Rolle bewegst.

Und das passiert nicht durch offizielle Reden oder Ansagen – sondern durch die vielen kleinen Gesten zwischendurch:

  • Mit wem du wie lange sprichst
  • Wie offen du lachst – oder eben nicht
  • Ob du Fragen stellst oder dich eher zurückziehst
  • Wie du mit Konflikten, Anspielungen oder auch Nähe umgehst

Und das alles – ohne dass du eine Minute offiziell „führst“.

Deshalb ist diese Feier auch so besonders.

Denn hier zeigt sich, wie du als Mensch UND Führungskraft wahrgenommen wirst.

Ob du souverän bleibst, auch wenn der Praktikant nach dem dritten Bier plötzlich ganz „ehrliches Feedback“ gibt.

Ob du präsent bist – oder ständig auf dein Handy schielst.

Und ob du in solchen Momenten Nähe zulassen kannst, ohne deine Haltung zu verlieren.

Klingt nach viel? Ist es auch.

Aber: Das ist eine große Chance.

Denn gerade hier kannst du zeigen, dass du mehr bist als nur „die Neue“ oder „der mit dem Titel“.

Du kannst Vertrauen aufbauen, Wertschätzung zeigen – und Beziehungen stärken, die im Alltag oft zu kurz kommen.

Also, lass uns mal genauer hinschauen:

Was ist eigentlich deine Rolle an diesem Abend?

Gast? Gastgeber:in? Kumpel? Kontrollinstanz?

Das klären wir im nächsten Abschnitt.

Wer bist du eigentlich auf der Weihnachtsfeier?

So, da stehst du also – Glas in der Hand, nette Gespräche um dich herum, der DJ legt „Last Christmas“ auf.

Und innerlich fragst du dich: „Okay… und jetzt? Was wird eigentlich gerade von mir erwartet?“

Diese Unsicherheit ist völlig normal.

Denn du bist nicht mehr Teil des Teams im alten Sinne – aber auch nicht der Boss mit dem Abstand von drei Etagen.

Du bist irgendwo dazwischen.

Und genau das macht diese Rolle so spannend – und gleichzeitig so sensibel.

Viele neue Führungskräfte pendeln auf solchen Events zwischen zwei Extremen:

Die einen versuchen, besonders locker zu wirken:

Sie trinken mit, tanzen mit, machen jeden Witz mit – und wundern sich später, warum sie im Alltag nicht mehr ganz ernst genommen werden.

Oder warum es plötzlich heißt: „Ach komm, gestern warst du doch auch ganz anders drauf…“

Die anderen ziehen sich komplett zurück:

Sie stehen am Rand, vermeiden Gespräche, schauen auf die Uhr – weil sie nichts falsch machen wollen.

Und wirken dadurch plötzlich kühl, unnahbar oder gar desinteressiert.

Beides funktioniert nicht.

Die eigentliche Aufgabe auf so einer Feier ist: eine menschliche Präsenz zu zeigen – ohne deine Führungsrolle zu verlieren.

Und das geht, wenn du dir vorher bewusst machst, welche Haltung du an diesem Abend einnehmen willst.

Nicht im Sinne von: „Wie wirke ich am besten?“

Sondern: „Wofür will ich heute stehen?“

Zum Beispiel:

  • Ich will zeigen, dass ich ansprechbar bin – auch außerhalb von Meetings.
  • Ich will mir bewusst Zeit nehmen für Gespräche, nicht für Selbstdarstellung.
  • Ich will echtes Interesse zeigen – aber nicht meine Führungsrolle aufgeben.
  • Ich will aufmerksam sein – ohne zu kontrollieren.

Das ist keine Frage von Taktik – sondern von innerer Klarheit.

Denn wenn du für dich klar bist, brauchst du nicht dauernd über dein Verhalten nachzudenken.

Dann kannst du auch mal mitlachen, einen Witz machen oder ein Glas Wein trinken –
ohne dich später zu fragen, ob das zu viel war.

Weil du deinen inneren Kompass kennst.

Und das Schönste ist:
Wenn du mit dieser Haltung reingehst, werden es die anderen spüren.

Vielleicht nicht bewusst – aber sie merken:
„Ah, da ist jemand, der weiß, wofür er oder sie steht.“

Und genau das bleibt hängen.

Nicht das Outfit. Nicht der Toast. Sondern dein Auftreten.

Weihnachtsfeier als Führungskraft - ins gespräch kommen

Was da psychologisch passiert und warum kleine Gesten an diesem Abend so viel Wirkung haben, darüber sprechen wir im nächsten Abschnitt.

Psychologische Perspektive: Warum diese Abende so sensibel sind

Vielleicht denkst du:
„Naja, ist doch nur eine Feier, was soll daran bitte so psychologisch sein?“

Die Antwort: Eine ganze Menge.

Denn auf einer Weihnachtsfeier treffen zwei Dinge aufeinander, die im Arbeitsalltag oft getrennt sind:

  1. Emotionen und Nähe
  2. Hierarchie und Verantwortung

Und genau diese Kombination macht es so spannend – und so sensibel.

Psychologisch gesehen ist die Weihnachtsfeier ein Ort, an dem soziale Zugehörigkeit verhandelt wird.

Klingt hochtrabend, bedeutet aber:

Hier entscheidet sich, wie sehr sich dein Team dir verbunden fühlt – oder eben nicht.

Warum?

Weil Menschen in solchen informellen Situationen besonders feinfühlig reagieren:
Wer wird begrüßt?
Wer bekommt einen Blick, ein Lächeln, ein offenes Ohr?
Wer bleibt außen vor?

Solche Details werden nicht rational bewertet – sondern emotional.
Und sie wirken – egal, ob du das willst oder nicht.

Unser Gehirn liebt Muster und Sicherheit.

Gerade in Übergangsphasen (wie nach einem Führungswechsel) sucht es ständig nach Signalen:

„Kann ich der Person vertrauen?“
„Ist sie echt?“
„Bin ich ihr wichtig – oder nur ein Name in der Personalakte?“

Und genau deshalb haben kleine Gesten hier so eine große Wirkung:

  • Ein ehrliches Kompliment
  • Eine kurze, persönliche Nachfrage
  • Ein Lächeln im richtigen Moment
  • Oder auch das stille, wertschätzende Zuhören

Das ist keine Show.

Das ist Beziehungspflege.

Und sie funktioniert nur, wenn du authentisch bleibst.

Heißt auch: Du musst nicht zu allen gehen.

Du musst nicht Smalltalk meistern wie ein Profi.

Aber du darfst dir bewusst machen, wie sehr dein Verhalten gelesen wird – als Hinweis auf deine Haltung.

Und hier kommt noch ein wichtiger Punkt:

Wenn du dich bewusst zeigst, wenn du Nähe zulässt – dann stärkst du nicht nur die Verbindung zu deinem Team.

Sondern du schaffst auch eine emotionale Grundlage für die Zusammenarbeit im neuen Jahr.

Also ja – die Weihnachtsfeier ist nicht nur eine Party.

Sie ist ein sozialer Resonanzraum.

Und du hast die Chance, ihn aktiv zu gestalten.

Wie?

Indem du nicht beobachtest – sondern Beziehungen aufbaust.

Ohne dich zu verlieren. Ohne dich zu verbiegen.

Wie das konkret aussehen kann – dazu mehr im nächsten Abschnitt.

Beziehungsaufbau statt Beobachten – aber mit Augenmaß

Du kennst das vielleicht:
Du stehst auf der Feier, siehst deine Leute in kleinen Gruppen reden, lachen, anstoßen…

Und innerlich fragst du dich:
„Muss ich da jetzt überall hingehen? Mit allen reden? Oder wirke ich dann aufdringlich?“

Die Versuchung ist groß, sich einfach zurückzuziehen und erstmal zu beobachten.

Bloß nichts falsch machen, bloß nicht zu viel Nähe zeigen…

Aber Achtung:
Wenn du dich unsichtbar machst, bleibst du auch unnahbar.

Und Nähe bedeutet nicht, dass du Best Buddy sein musst.

Es heißt: Verbindung aufbauen – ohne deine Führungsrolle zu verlieren.

Was hilft?

Gezielte Präsenz.

Heißt: Du gehst bewusst in Gespräche – nicht in jedes, aber in die, die dir wichtig sind.

Und du bleibst nicht aus Pflichtgefühl stehen, sondern aus echtem Interesse.

Hier ein paar einfache Prinzipien für diesen Abend:

1. Geh auf Menschen zu, die sonst wenig im Mittelpunkt stehen.

Nicht immer nur mit deinen Lieblingsthemenmenschen reden.
Gerade stille Mitarbeitende freuen sich, wenn du sie wahrnimmst – und oft kommen dabei sehr ehrliche, tiefe Gespräche zustande.

2. Sei offen – aber nicht beliebig.

Wenn du zu lange bei einer Person bleibst, kann das schnell wie Bevorzugung wirken.
Besser: mehrere kurze, wertschätzende Gespräche – statt einem ewig langen Smalltalk mit nur einer Person.

3. Frag mehr, als du erzählst.

Du musst nichts über dich beweisen. Zeig lieber echtes Interesse.
Zum Beispiel:

„Was war für dich dieses Jahr ein Highlight im Team?“
„Was hat dir besonders Spaß gemacht in den letzten Monaten?“
„Worauf freust du dich im neuen Jahr?“

4. Vermeide zu private Themen – außer sie kommen von deinem Gegenüber.

Du bist keine Plauderkolleg:in mehr.

Halte eine freundliche, persönliche, aber professionelle Haltung.

Und wenn jemand versucht, dich in „Teamlästerei“ oder Insiderwitze hineinzuziehen:

Ein charmantes Lächeln und ein Themenwechsel wirken oft stärker als jedes Machtwort.

Denn du musst nicht alles kommentieren.

Aber deine Ausstrahlung kommentiert für dich.

Klar, das ist nicht immer leicht.

Gerade, wenn der Abend fortschreitet und die Stimmung lockerer wird.

Deshalb:

Wie du Fettnäpfchen elegant umkurvst, ohne steif zu wirken – das schauen wir uns gleich im nächsten Abschnitt an.

Fettnäpfchen umgehen – ohne verkrampft zu sein

Okay, kommen wir zum heiklen Teil.

Weihnachtsfeiern haben eine ganz eigene Dynamik.

Was mit Häppchen und höflichem Smalltalk beginnt, kann später in Tanzflächenphilosophie, mutigen Meinungsäußerungen oder spontanen Karaoke-Einlagen enden.

Und du?

Bist irgendwo dazwischen – mit einem inneren Scanner, der aufleuchtet bei jedem:
„Noch ’n Glühwein?“
„Komm doch auch tanzen!“
„Jetzt mal ganz ehrlich – als Führungskraft…“

Fettnäpfchen-Alarm?

Möglich. Aber du musst nicht in jedes reintreten.

Hier ein paar Situationen, in denen du locker, aber klar bleiben kannst – ohne dich zu verbiegen:

1. Alkohol – ja, aber…

Du darfst was trinken. Natürlich.
Aber: Führ dich nicht in Versuchung.
Ein Glas Sekt oder Wein? Kein Problem.
Zwei? Nur, wenn du dich damit noch wohlfühlst.
Drei? Dann hast du möglicherweise schon mehr gezeigt, als du wolltest.

Tipp: Bleib bei einem Standardgetränk, trink langsam – und zwischendurch Wasser.
Du bist nicht in der Beweispflicht, „locker drauf“ zu sein.

2. Tanzen – ein schmaler Grat

Tanzen kann sympathisch wirken – oder komplett entgleisen.
Es kommt auf den Kontext an:
Ist es eine lockere Runde mit 10 Leuten und du tanzt mal kurz mit? Super.
Aber Breakdance in der Mitte der Tanzfläche als „Chef-Show“? Besser nicht.

Tipp: Wenn du tanzt, dann so, dass du dich jederzeit damit auf YouTube sehen lassen würdest. 
Und wenn du kein gutes Gefühl hast: Zuschauen, klatschen, mitlachen – reicht völlig.

3. Private Themen und „ehrliches Feedback“

Auf Weihnachtsfeiern tauchen gern mal ungefilterte Aussagen auf:

„Ich wollt dir schon lange mal sagen…“
„Also früher war das hier alles ganz anders.“
„Mit dir als Chef ist’s echt… interessant.“

In solchen Momenten: Tief durchatmen.
Du musst jetzt nichts lösen oder klären.
Nimm es auf – aber nicht alles ernst.

„Danke, dass du das sagst. Lass uns das gern mal in Ruhe bei Gelegenheit besprechen.“

Tipp: Feierabend-Feedback ist oft ungefiltert – aber selten konkret.
Nimm’s als Stimmungsbarometer – nicht als Leistungsbeurteilung.

Lästereien, Gruppenbildung, peinliche Momente

Die Party läuft, zwei Mitarbeitende machen sich über einen dritten lustig.

Oder jemand hat deutlich zu tief ins Glas geschaut.

Dein Reflex könnte sein: Eingreifen oder ignorieren.

Aber es gibt einen Mittelweg:

Positioniere dich durch Haltung – nicht durch Drama.

Ein ruhiger Blick, ein Themenwechsel, ein klarer Schnitt im Gespräch – wirkt oft stärker als jede moralische Ansage.

Kurz gesagt: Du musst nicht kontrollieren.

Aber du solltest wach bleiben.

Und wenn du spürst, dass ein Moment kippt – sei präsent, nicht peinlich.

Das zeigt deinem Team:
„Ich bin Teil des Abends – aber ich vergesse nicht, wer ich bin.“

Und genau das ist Führung auf Augenhöhe – auch beim Feiern.

Im nächsten Abschnitt schauen wir drauf, wie du diesen Abend sogar nutzen kannst, um gezielt ein Führungs-Signal zu setzen.

Weihnachtsfeier als Führungskraft - Wertschätzung ausdrücken

Nutze die Feier als Führungssignal

Vielleicht überrascht dich das:
Ja, eine Weihnachtsfeier kann Führung zeigen – aber nicht durch große Reden oder „Cheffe“-Moves, sondern durch kleine, bewusste Signale.

Denn während viele versuchen, sich „irgendwie unauffällig“ durch den Abend zu hangeln, kannst du mit wenigen Gesten zeigen:

Ich bin hier – präsent, zugewandt, klar.

Was meine ich damit?

1. Zeig dich dankbar – aber auf deine Art

Du musst keine emotionale Ansprache halten, wenn das nicht zu dir passt.
Aber ein kurzer, ehrlicher Satz im richtigen Moment kann viel auslösen:

„Ich bin echt froh, mit euch ins neue Jahr zu gehen.“
„Danke für eure Offenheit – ich weiß das wirklich zu schätzen.“

Das sind Führungssignale – leise, aber kraftvoll.
Nicht aus der Rolle gefallen, sondern aus der Haltung gesprochen.

2. Nutze die Gelegenheit, Wertschätzung sichtbar zu machen

Vielleicht gibt es Kolleg:innen, die besonders viel geleistet haben – oder einfach unauffällig mitgezogen haben.
Ein kurzer persönlicher Dank, ein Schulterklopfen, ein wertschätzender Satz:

„Dein Einsatz in dem Projekt XY – echt stark. Ich hab das gesehen.“

Das bleibt hängen.
Denn in der informellen Atmosphäre wirkt sowas dreifach:
Echt, unerwartet, emotional.

3. Verlasse den Abend souverän

Auch wie du gehst, ist ein Signal.
Bleib nicht bis zum letzten Lied.
Geh nicht einfach „durch die Hintertür“.

Mach lieber eine kleine Verabschiedungsrunde. Kurz, freundlich, mit einem Satz wie:

„Ich verabschiede mich für heute – schön, dass wir diesen Abend hatten.“

Du zeigst damit:
Ich war dabei – bewusst.
Und ich ziehe eine Grenze – ebenfalls bewusst.

Das ist keine Kälte. Das ist klare Führung.

Und nochmal:
Das bedeutet nicht, dass du diesen Abend zur strategischen Bühne machen musst.

Es geht nicht um Inszenierung.

Es geht um Haltung.

Und darum, dass dein Team spürt:

„Da ist jemand, der meint es ernst – und bleibt dabei menschlich.“

Genau dafür wirst du wahrgenommen.

Und genau das bleibt.

Im letzten Abschnitt sprechen wir nochmal über deinen inneren Kompass – und wie du einfach du selbst bleibst.

Bleib du – aber in der Führungsrolle

Wenn du nach dieser Folge nur eine Sache mitnimmst, dann bitte diese:

Du musst keine andere Person werden – du darfst du bleiben.

Aber du darfst dir bewusst machen:

Du bist jetzt in einer anderen Rolle.

Und die verlangt nicht, dass du dich verstellst – sondern dass du klarer wirst in dem, wofür du stehen willst.

Gerade auf so einer Feier kann man leicht in alte Muster rutschen:
Der lockere Kollege, die stille Beobachterin, der harmoniesuchende Vermittler.

Aber das ist der Punkt:
Führung heißt nicht, alles anders zu machen.

Führung heißt, bewusst zu entscheiden, wie du wirkst.

Und auf der Weihnachtsfeier geht’s nicht darum, alles perfekt zu machen.

Du darfst lachen, du darfst Mensch sein, du darfst auch mal einen Spruch bringen, der nicht punktet.

Entscheidend ist:
Bleib ansprechbar.
Bleib wach.
Bleib dir selbst treu – in der Rolle, die du jetzt trägst.

Denn du bist eingeladen – ja.

Aber du bist nicht „einer von vielen“ – du bist die Person, die führt.

Und das bedeutet vor allem: Haltung zeigen – statt Haltung spielen.

Wenn du das schaffst, wirst du merken:

Diese Feier ist keine Prüfung.

Sie ist eine große Chance.

Eine Chance, Beziehung zu bauen.
Eine Chance, ein neues Kapitel zu eröffnen.
Eine Chance, als Führungskraft sichtbar zu werden –
ohne dich dafür zu verbiegen.

Und genau das wünsche ich dir für deine erste Weihnachtsfeier:
Mut, Menschlichkeit – und ein bisschen Magie.
Mach’s gut und bis bald!
Dein Stefan

Bonus-Reflexionsfrage

hier kommt noch eine kleine Frage zum Mitnehmen:

Was ist eine kleine Geste, mit der du auf der Feier echte Wertschätzung zeigen kannst – ohne Worte?

Wem aus deinem Team willst du auf der Weihnachtsfeier bewusst Zeit und Aufmerksamkeit schenken – und warum?

Bis bald – und denk dran: Führung beginnt bei dir.

FAQ: Deine erste Weihnachtsfeier als Führungskraft

Hier findest du Antworten auf die Fragen, die sich viele neue Führungskräfte vor der Weihnachtsfeier stellen.

?
Was ist meine Rolle auf der Weihnachtsfeier – Kolleg:in oder Chef:in?

Du bist beides: Mensch im Team und Führungskraft. Deine Aufgabe ist nicht, die perfekte Show zu liefern, sondern präsent, ansprechbar und klar zu sein.

Heißt konkret: Du kannst mitlachen, plaudern, vielleicht auch kurz tanzen – aber du behältst im Kopf, dass dein Verhalten ein Signal dafür ist, wofür du als Führungskraft stehst.

?
Wie nah darf ich meinem Team kommen, ohne zu kumpelhaft zu wirken?

Nähe ist okay – Vereinnahmung nicht. Gute Faustregel: Du interessierst dich ehrlich für die Menschen, ohne zur „Best Buddy“-Rolle zurückzurutschen.

Mehr Fragen stellen als erzählen, kurze wertschätzende Gespräche führen, nicht mit einer Person „kleben“ – so bleibst du persönlich, aber professionell.

?
Wie gehe ich mit Alkohol um, ohne spaßbefreit zu wirken?

Ein Glas Sekt oder Wein ist völlig in Ordnung. Kritisch wird es dort, wo du am nächsten Tag denkst: „Das hätte ich so nicht gebraucht.“

Such dir ein Getränk aus, trink langsam, zwischendurch Wasser – und erinnere dich: Du musst nichts beweisen. Deine Souveränität ist wichtiger als dein Pegel.

?
Was mache ich, wenn mir jemand „ehrliches Feedback“ im Halbrausch gibt?

Nimm es ernst genug, um zuzuhören – aber nicht so ernst, dass du in der Situation in die Verteidigung gehst.

Ein guter Satz ist zum Beispiel: „Danke, dass du das sagst. Lass uns das gern in Ruhe nach der Feier aufgreifen.“ So zeigst du Offenheit, ohne nachts um halb eins Coaching anzubieten.

?
Wie lange sollte ich bleiben – und wie verabschiede ich mich?

Du musst nicht der oder die Letzte auf der Tanzfläche sein. Wichtig ist eher, dass du sichtbar da warst und dich nicht „rausschleichst“.

Mach eine kurze, freundliche Verabschiedungsrunde: „Ich verabschiede mich für heute – schön, dass wir diesen Abend miteinander hatten.“ Das wirkt souverän und klar.

?
Was, wenn doch etwas schiefgeht oder mir eine Situation unangenehm ist?

Perfekt wird es sowieso nicht – und das muss es auch nicht. Entscheidend ist, wie du mit Pannen umgehst.

Ein ruhiges „Das war gerade unglücklich, lass uns da an einem anderen Tag nochmal in Ruhe draufschauen“ zeigt mehr Führung als jeder Versuch, alles wegzulächeln.

Fehler dürfen passieren. Deine Haltung danach ist das, was im Gedächtnis bleibt.

Über den Autor

Über Stefan Brandt

Stefan Brandt, Coach für Nachwuchsführungskräfte & Führungskräfteentwicklung

Ich bin Psychologe und habe mittlerweile über 20 Jahren Erfahrung im Coaching von Führungskräften. Mittlerweile begleitete ich mehr als 7000 zufriedene Coachingklienten und Seminarteilnehmende dabei, sich in Ihrer neuen Rolle zurechtzufinden und sich zu einer authentischen und erfolgreichen Führungspersönlichkeit zu entwickeln.

Ich weiß, dass dies für die Führung entscheidend ist. Und ich weiß auch, dass es die "richtige" Führungskraft nicht gibt. Die eigene Führungsart darf von jeder und jedem auf ganz eigene Weise gestaltet werden.

Deshalb biete ich individuelle und empathische Unterstützung, um meinen Kundinnen und Kunden zu helfen, den eigenen Weg zu finden, wie sie Menschen für sich gewinnen und effektiv führen.

Im Laufe meiner Karriere habe ich zahlreiche Herausforderungen und Fallstricke identifiziert, die angehende Führungskräfte oft begegnen. Um ihnen dabei zu helfen, diese zu vermeiden, habe ich mein E-Book “17 Fehler für angehende Führungskräfte - wie du sie vermeidest” verfasst. In diesem Buch teile ich wertvolle Einsichten und praxisnahe Tipps, die helfen, diese häufigen Fehler zu erkennen und erfolgreich zu umschiffen.

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