IFG12 – 5 Tipps zur erfolgreichen Kommunikation von Entscheidungen

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Im Führungskreis wurde eine große Veränderungsmaßnahme im Unternehmen festgelegt. Hier zu einer Entscheidung zu kommen, war schon gar nicht so einfach. Es wurden Experten befragt und anschließend hart diskutiert. Schließlich stand die Entscheidung und alle im Management stehen jetzt dahinter.

Soweit so gut.

Aber wie sagen sie es jetzt ihren Leuten? Wie vermitteln sie die Entscheidung so, dass alle die Notwendigkeit einsehen und gewillt sind, diese Vorhaben mitzutragen und umzusetzen?

Hören Sie sich hier die ganze Folge an oder lesen Sie unten weiter:


Aus meiner Erfahrung geht das Management dann oft fälschlicherweise davon aus, es reiche, die Veränderung auf einer Großveranstaltung unter Anwendung von Gesprächstechniken und beeindruckenden PowerPoint-Folien zu verkünden.

Und dann glauben sie, die Betroffenen wüssten nun schon, was sich aus den getroffenen Entscheidungen ergibt und was von ihnen erwartet wird.

Hmmmmmmm – Nein!

Und dann wundern sie sich, dass es entweder große Unruhe und Widerstand unter der Belegschaft gibt oder gar nichts passiert – als hätte es die Veranstaltung nie gegeben.

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Aber was können Sie dann machen, um Ihre Entscheidungen erfolgreich zu verkünden?

Wenn Sie Ihre Veränderungsbotschaften so vermitteln wollen, dass sich die Belegschaft mit der Entscheidung identifiziert und nachhaltig den Veränderungsprozess unterstützt, sind die folgenden 5 Tipps von Dr. Susanne Ehmer und Herbert Schober-Ehmer der Organisationsberatung redmont auf jeden Fall hilfreich für Sie.

Tipp 1: Machen Sie einen Unterschied

Eine Mitteilung ist noch keine Information.

Eine Präsentation noch keine Umsetzung.

Im Allgemeinen denken wir, in dem Moment, wo wir dem Gegenüber etwas mitteilen, sei dieser informiert, verarbeite diese Information, leite selbstständig die Konsequenzen daraus ab und setze notwendige Veränderungen um.

Soweit der Plan.

Das sind aber zwei unabhängige Prozesse.

Gregory Bateson hat das betont: „Eine Information ist ein Unterschied, der einen Unterschied macht“.

Klingt kompliziert, heißt aber nur: Eine Mitteilung wird erst dann zur Information, wenn sie beim Empfänger als Bedeutsam und gravierend wahrgenommen wird.

Weiter gedacht: Es ist gar nicht möglich zu informieren.

Der Begriff „Informationsveranstaltung“ ist also in der Regel eine schöne Hoffnung, aber meist auch nicht mehr als das.

Der Absender kann nur eine Mitteilung machen oder Daten vermitteln.

Der Empfänger macht die Mitteilung zur Information!

Erst wenn die Empfänger einen bedeutsamen Unterschied zum bisher Gewussten oder Gedachten gehört, wahrgenommen und in seiner Bedeutung verstanden haben, war der Informationsprozess erfolgreich.

Verstehen heißt aber noch lange nicht einverstanden sein, geschweige denn etwas umgesetzt haben.

Tipp 2: Akzeptieren Sie Missverständnisse als die Regel

Kommunikation scheint ja so einfach zu sein.

Wir kommunizieren schließlich permanent miteinander

Aber machen Sie sich noch mal bewusst, wie grundsätzlich schwierig es ist, sich zu verstehen und vom Gleichen zu sprechen.

Es ist eher so: Missverständnisse sind an der Tagesordnung – sich zu verstehen ist die Ausnahme.

Finden Sie sich damit schon mal ab und schrauben sie Ihren eigenen Anspruch an die Möglichkeiten der Kommunikation herunter.

Das schützt Sie schon mal vor Frust, wenn Sie mal wieder in die unverständige Augen Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter blicken.

Kommunikation hat viel mit Psychologie zu tun und ist kein mechanistisches WENN-DANN.

Und diese Psychologie läuft folgendermaßen:

Sie verkünden Ihre Entscheidung.

Da Ihre Mitarbeitenden die Auswirkungen aber erst viel später erleben werden, bleiben ihnen in ihrer Vorstellung zunächst nur Spekulationen über deren Auswirkungen.

Und jede/r Ihrer Mitarbeitenden hat dann sein eigenes Bild vom Ergebnis im Kopf.

Machen Sie sich klar: Ihre Mitteilung wird als Schallwellen übertragen (und nicht als Sätze, Bilder, Wahrheiten oder Erkenntnisse).

Diese gelangen über die Sinnesorgane Ihres Gegenübers in dessen Gehirn.

Dort werden diese Impulse in Informationen über die Welt umgewandelt.

Und zwar nicht 1:1, sondern das Gehörte wird vom Gehirn entsprechend seiner einzigartigen Struktur (der Verschaltungen der Nervenzellen) interpretiert.

Diese Struktur entsteht durch Erfahrung und Lebensgeschichte und deren individueller emotionale Verarbeitung.

Nur für Menschen sehr bedeutsame und emotional aufgeladene Botschaften oder Erlebnisse werden das Gehirn so beeinflussen, dass es eine Veränderung als notwendig erachtet.

Und was heißt das für die Kommunikation Ihrer Entscheidung?

Sie haben keinerlei direkten Einfluss auf die Wahrnehmung, Gedankengänge, Gefühle und Interpretationen der Ihrer Mitarbeitenden.

Sie können Ihre Mitteilung natürlich emotional anreichern (am besten positiv) und mit Hilfe von Kommunikationstechniken möglichst einfach, kurz und prägnant formulieren.

So erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass sie beim Empfänger gut ankommt.

Letztendlich können Sie als Sender aber nur ahnen, was aufgrund der Mitteilung beim Empfänger an Vorstellungen und Annahmen entstanden sein könnte.

Erst aus dessen Handlungen (Widerstand, Ignoranz, Freude) können Sie ableiten, was wohl tatsächlich angekommen ist.

Tipp 3: In Kommunikation investieren

Ich vermute, Ihnen ist jetzt klar: Es gibt kein Patentrezept für gelingende Kommunikation.

Das heißt nicht, dass Kommunikation nicht funktioniert, aber sie fordert Ihnen einiges an Investition in den Kommunikationsprozess ab.

Eine einmalige „Infoveranstaltung“ reicht schwerlich aus, um den bedeutsamen Unterschied einer Entscheidung zu vermitteln.

Da braucht es schon etwas mehr Einsatz.

Stellen Sie sich darauf ein und planen Sie von vornherein mehr Zeit für Gespräche und Besprechungen.

Tipp 4: Stellen Sie sich den Fragen Ihrer Mitarbeitenden

Wie schaffen Sie es also, dass Ihre Leute den Sinn einer Entscheidung einsehen und mittragen?

Tja, die Frage ist tatsächlich: Was muss für die Betroffenen einsehbar werden, damit sie den Sinn der Entscheidung und einer damit verbundenen (Verhaltens-) Veränderung nachvollziehen können?

Das gelingt am besten, wenn Sie deutlich machen, was Sie selbst eingesehen haben und Ihren eigenen Erkenntnisweg beschreiben.

Wenn Sie diese Fragen authentisch und frei von der Leber weg beantworten, kann ein Austausch entstehen, über (unterschiedliche) Einsichten und Ansichten.

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Tipp 5: Geben Sie Möglichkeiten zum Mitdenken und Mitgestalten

Die Kommunikation einer Entscheidung sollte also nicht nur eine Mitteilung sein, sondern für die Betroffenen bedeutsam werden.

Die Mitteilung soll für sie „einen Unterschied machen“, der sie Aufrüttelt.

Das schaffen Sie, indem Sie Ihre Leute nicht nur zu passiven Zuhörern degradieren, sondern sie zum Mitdenken und zum Nachvollziehen einladen.

Das ermöglicht eine Einsicht und ein Verstehen bei Ihren Leuten.
Beachten Sie: Es geht nicht darum, OB die Entscheidung umgesetzt wird (das haben Sie ja schon bestimmt).

Es geht darum WIE sie umgesetzt werden kann.

Die Verarbeitung von bedeutsamen Entscheidungen geht auch nicht von jetzt auf gleich.

Bieten Sie Ihren Leuten auf jeden Fall auch im Nachhinein noch Möglichkeiten, mit Ihnen über die Entscheidung sprechen zu können, wenn sich die Informationen gesetzt haben.

Entscheidungen kommunizieren – mein Fazit

Wenn Sie diese Punkte berücksichtigen, vermitteln Sie Ihre Entscheidungen nachhaltiger und ich wette, auch entspannter.

Denn Sie verabschieden sich von der Vorstellung, Entscheidungen könnten mit einer einmaligen Veranstaltung, in der nur die Botschaft verkündet wird, nachhaltig umgesetzt werden.

Ihnen ist klar, dass das eher ein längerfristiger Prozess ist.

Je mehr es Ihnen gelingt, Ihre Leute zu beteiligen, auch emotional, um so einfacher und mit höherer Identifikation werden nötige Schritte umgesetzt und Sie bekommen weniger Gegenwind.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Wie machen Sie das, wenn Sie Ihre Entscheidungen kommunizieren wollen? Haben Sie noch hilfreiche Gedanken oder Tipps? Ich freue mich sehr auf Ihren Kommentar zu Ihren Erfahrungen.

Weiterführende Literatur

Bateson, G. (1982). Geist und Natur. Eine notwendige Einheit. Frankfurt a. M.: Suhrkamp

Ehmer, Susanne & Schober-Ehmer, Herbert (2016). Fünf Tipps zur Kommunikation von Entscheidungen. https://www.humanresourcesmanager.de/news/fuenf-tipps-zur-kommunikation-von-entscheidungen.html [abgerufen am: 23.07.2018].

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