IFG 006 – 17 Tipps für erfolglose Mitarbeitergespräche und 12 Gegenstrategien

Erfolglose MItarbeitergespräche - In Führung gehen mit Stefan Brandt

Gute und regelmäßige (nicht nur jährliche) Mitarbeitergespräche sind ein präzises Führungsinstrument, die den Erfolg immens beeinflussen. Denn eine wirklich gute Führungskommunikation stärkt die Arbeitsbeziehung und das Vertrauen zwischen Führungskraft und Angestellten. Doch viele Führungskräfte führen sie leider nicht optimal durch und missbbrauchen sie manchmal sogar als Manipulationsgespräch. Also dumm gelaufen, Chance vertan. Dabei tragen Führungskräfte die Hauptverantwortung dafür, dass eine positive Atmosphäre besteht.

Hier sind 17 typische Fehler aus Mitarbeitersicht, die Führungskräfte unbedingt vermeiden sollten.

Hören Sie sich hier die ganze Folge an oder lesen Sie unten weiter:


Eine Liste, die Sie fortsetzen können:

  1. Ich konnte nicht ausreden, bin immer unterbrochen worden.
  2. Ich war nicht richtig vorbereitet, ich wurde überrumpelt. Es gab keine Einladung zum Gespräch.
  3. Ich fühlte mich zu Entscheidungen gedrängt, obwohl noch nicht alles besprochen war.
  4. Mein Chef ließ deutlich seine Überlegenheit spüren, er hat mich von oben herab behandelt.
  5. Ich hätte viel geschickter auf die Argumente meiner Vorgesetzten antworten müssen, nachher habe ich mir selbst Vorwürfe gemacht.
  6. Meine Führungskraft war wortgewandt, sprach flüssig – ich habe herumgestottert.
  7. Die ganze Umgebung war für mich neu. Ich fühlte mich unbehaglich.
  8. Ich musste stehen bleiben, er saß.
  9. Es blieb alles im Globalen stecken. Nichts als Phrasen.
  10. Es wurden nur unwesentliche Details behandelt. Der Kern des Problems wurde ausgeklammert.
  11. Wir wurden durch Telefonanrufe und E-Mails ständig unterbrochen und gestört.
  12. Meine Vorgesetzte war in Zeitdruck, wirkte gehetzt, zerstreut und unaufmerksam: Alles prallte ab, ich hatte das Gefühl, mit einer Wand zu reden.
  13. Oberflächlich sehr verbindlich, innerlich aber kristallhart. Mein Chef ging keinen Millimeter von seiner vor gefassten Meinung ab.
  14. Es kam zu keiner Entscheidung, alles ist zerflossen, ich hatte nichts Konkretes in den Händen.
  15. Ständig hat sie widerlegt, dagegen geredet, immer Kontra gegeben.
  16. Mein Chef hat gebrüllt und getobt.
  17. Ich wurde mit schönen Worten abgespeist. Habe erst nachher gemerkt, dass ich der Gelackmeierte war.

Was können Sie also tun, um Mitarbeitergespräche erfolgreich zu führen?

  1. Kündigen Sie den Termin an, wenn möglich, mindestens eine Woche vorher.
  2. Es sollte keine Störung geben. Und planen Sie genügend Zeit ein.
  3. Bereiten Sie Ihre Mitarbeitergespräche gut vor und vergegenwärtigen Sie sich, was Sie über die Arbeit des Mitarbeiters wissen. Machen Sie sich klar, wie Sie ihn oder sie einschätzen, wie Ihre Beziehung ist, was Sie erwarten.
  4. Nehmen Sie eine neugierige Erkundungshaltung ein und hören Sie mehr zu anstatt zu bewerten. Versuchen Sie, die Sicht Ihres Gegenüber zu verstehen. Nur so kommt es zu einem Austausch.
  5. Machen Sie sich klar: Verstehen heißt nicht einverstanden sein.
  6. Vermeiden Sie Suggestivfragen. Die lassen keine eigene Meinung zu wecken (oft erst im Nachhinein) eher Misstrauen.
  7. Smalltalk ist gut, wenn er aufrichtig gemeint ist und kein antrainiertes, mechanisches Geplänkel oder billiges Lob. Und bei schwierigen Gesprächen vermeiden Sie ihn besser und steigen direkt ein.
  8. Bemühen Sie sich, die Sicht des Mitarbeiters zu verstehen.
    Lassen Sie sich vom Gedanken steuern, dass jeder auf seine Art recht hat. Souveräne Chefs beantworten Widerstand nicht mit Gegenrede, sondern versuchen, ihn umzulenken.
    Konfrontieren Sie Ihr Gegenüber mit dem Vorwurf, einen Fehler gemacht zu haben, geht sie oder er automatisch in die Verteidigungsstellung und rechtfertigt sich. Das löst wiederum Abwehrreaktionen beim Vorgesetzten aus, der versucht klarzumachen, warum der Mitarbeiter doch Unrecht hat. Dann geht das Gespräch nicht weiter – im Gegenteil. Wahrscheinlich entsteht sogar ein Teufelskreis aus gegenseitigen Vorwürfen und Rechtfertigungen.
    Hören Sie in diesem Fall erst mal aktiv zu und wiederholen Sie, was Sie beim Mitarbeiter verstanden haben.
  9. Hilfreich kann auch ein wechselseitiges Feedback sein zu Verhaltensweisen, die gegenseitig als störend empfunden werden und wo Unterstützung benötigt wird.
    Zunächst soll der Mitarbeiter sagen, wie er grundsätzlich die Zusammenarbeit sieht, positive und negative Merkmale nennen, sich aber nicht nur an Einzelereignissen orientieren. So findet in wertschätzender Atmosphäre Austausch statt, von dem beide etwas haben.
  10. Klar, dass Kritik konkret und konstruktiv sein muss. (Mehr dazu finden Sie in meinem Artikel Wie Sie überzeugend und motivierend in ein Kritikgespräch einsteigen).
  11. Respekt das oberste Gebot.
  12. Wird eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter ausfallend, gehen Sie nicht in den Widerstand. Wenn Sie aufbrausen, sind Sie nicht aufnahmefähig. Fragen Sie lieber, wie sich die Sachlage für ihn oder sie darstellt: Fragen halten den Dialog. Oder äußern Sie Verständnis mit dem Hinweis, das Gespräch zu vertagen.

Ein paar Leitsätze zum Schluss, die in Mitarbeitergesprächen hilfreich sein können

  • Kümmere dich erst um die Person, dann um das Thema.
  • Rede weniger, als du möchtest.
  • Stimmig zu sein, authentisch zu sein, das kann ein Gespräch veredeln.
  • Ich muss nicht alles sagen, was ich denke. Aber was ich sage, sollte ich auch denken.

Fallen Ihnen noch weitere „Tipps“ für erfolglose Mitarbeitergespräche ein oder haben noch richtige Tipps für erfolgreiche Gespräche? Teilen Sie sie bitte mit uns in den Kommentaren.

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